Die Grundlagen der Genetik

Für den Jungzüchter

Kapitel 9

Die Zuchtbuchführung

Ursprünglich wird das Zuchtbuch (Zuchtstammbuch) als eine geordnete Zusammenstellung beglaubigter Abstammungsnachweise von Zuchttieren definiert. Zuchtbücher sind schon seit vielen Jahrhunderten in der Viehzucht von großer Bedeutung und unabdingbar um die Abstammung und die Erbfolge von Zuchttieren nachzuvollziehen. Schon im 2. Jahrtausend v. Chr. wurden erste Zuchtbücher geführt.

Aufgabe des Zuchtbuches ist es, neben der reinen Abstammungsaufzeichnung, obendrein anhand von detaillierten Eintragungen, die, an die Nachkommen vererbten Eigenschaften aufzuzeigen. Aber nur durch eine ausführliche, lückenlose und fehlerfreie Dokumentation aller notwendigen Daten ergibt sich eine wertvolle Aussagekraft des Zuchtbuches im Hinblick auf die Weiterzucht. Allein darin liegt aber meist der wunde Punkt, denn leider mangelt es hier einigen Züchtern an der notwendigen Gewissenhaftigkeit. Oftmals fehlen in vielen Zuchtbüchern wichtige Informationen oder es werden Eintragungen  fehlerhaft vorgenommen.

Man unterscheidet in der Rassekaninchenzucht zwischen dem Vereinszuchtbuch und dem sogenannten Einzelzuchtbuch. Allein Aufzeichnungen, die im Vereinszuchtbuch geführt werden, sind für die eigene Zucht nicht aussagekräftig genug, da hierin nur die Abstammung der einzelnen Tiere anhand des vom Züchter abgegeben Deckscheines eingetragen wird. Nützliche Schlussfolgerungen für die Zucht kann uns letztendlich nur das Einzelzuchtbuch mit seinen weiterreichenden Einträgen liefern. Das Vereinszuchtbuch hingegen dient vielmehr zur Beglaubigung von Nachweisen (Zuchtbuchauszügen, Rassenachweisen, Abstammung - Nachweisen etc.) sowie  zur Übersicht über die jährlich gezüchtete Tierzahl im Verein.

1.1 Loh schwarz mit Nachzucht

Ein aussagekräftiges Einzelzuchtbuch könnte bzw. sollte möglichst folgende Angaben beinhalten:

1. Grunddaten:

- Angabe der Elterntiere

- Deckdatum und Wurftag

- Zahl der Totgeburten

- Zahl der aufgezogenen Jungtiere

2. Vermerke über die Eigenschaften (Vor- und Nachteile) des jeweilige Tieres

a) betreffend des Erscheinungsbildes (Phänotyps)

 - z. B. Körperform, Typ und Bau, Rassemerkmale etc.

- liegen Farbvarianten  (z. B. hellblau, dunkelblau etc.) oder Fehlfarben vor

- liegen evtl. Anomalien (Missbildungen) vor

 b.)  betreffend der Leistungsmerkmale- Fruchtbarkeit (Fortpflanzungsfähigkeit und- Bereitschaft, 

Mutterinstinkt, Milchleistung, Aufzuchtverhalten)

-   die Futterverwertung und -Aufnahme

-  Wachstum / Entwicklung

-  die Vitalität / Krankheitsanfälligkeit

-  Fleisch- und Fellqualität (bei Mastkaninchen bzw. Angorakaninchen)

c.)  Wesensmerkmale / Charaktereigenschaften

z. B. Aggressivität, Unruhe etc.

d.)   Sonstige Daten

z. B. Bewertungsresultate, Vorbesitzer u.v.m.

Die obigen Angaben können selbstverständlich individuell beliebig ergänzt werden und verstehen sich nur als Vorschlag. Auch kann das Einzelzuchtbuch durchaus auf verschiedene Art und Weise geführt werden, hierzu gibt es, im Vergleich zur Führung des Vereinszuchtbuches, keine festen Formvorschriften. Sinnvoll ist z. B. die Verwendung von vorgefertigten Zuchtbuchvorlagen des ZDRK oder die Benutzung eines der unzähligen Softwareprogramme für die Einzelzuchtbuchführung, die inzwischen von verschiedenen Anbietern erhältlich sind. Bedeutend ist, wie gesagt nur, dass alle wichtigen Daten nachvollziehbar sind, um die notwendigen Rückschlüsse über den Erbwert im Hinblick auf die Weiterzucht ziehen zu können.

Lückenlose Aufzeichnungen werden dann zu einer unverzichtbaren Hilfe um die Eigenschaften und Merkmale des Zuchtbestandes zu festigen und Erbfehler zu vermeiden und dienen somit als Grundlage für die Selektion (siehe Kapitel 7). Perfektionieren kann man seine Zuchtbuchführung noch durch Anbringung entsprechender Stallkarten mit den wichtigsten Daten des jeweiligen Kaninchens, was die Übersicht an der Stallanlage noch einmal verbessert.

Einige wesentliche Vorzüge der Zuchtbuchführung:

gute Übersicht über den Stammbaum

besserer Überblick über den Zuchtstand (Kontrollmöglichkeit)

man kennt die Vor- und Nachteile der einzelnen Tiere besser

aussagekräftige Grundlage für die Selektion

Festigung des Erbwertes

langfristiger Aufbau einer eigenen erbfesten Zuchtlinie möglich

Vermeidung und frühzeitige Entdeckung von Erbfehlern

detaillierte Hinweise für den Käufer eines Tieres möglich

-  schnellere und richtigere Reaktionen im Bezug auf die Zuchtwahl möglich

Die wesentliche Grundlage für ein aussagekräftiges Zuchtbuch ist die gewissenhafte und richtige Kennzeichnung der Tiere. Hierbei ist die Ehrlichkeit des Züchters im besonderen Maße gefragt, denn werden beim Tätowieren Tiere aus verschiedenen würfen verbotener Weise einfach zusammengelegt, ist dies nicht nur Betrug an unseren Zuchtfreunden, sondern man setzt außerdem die gesamte Aussagefähigkeit seines Zuchtbuches aufs Spiel.

Mit diesem Zusatzkapitel über die Zuchtbuchführung möchte ich in erster Linie verdeutlichen, dass uns alle unsere Kenntnisse über die Vererbungslehre nur dann an unser gewünschtes Zuchtziel bringen, wenn wir parallel hierzu auch ein „ehrlich“ geführtes Einzelzuchtbuch führen. Denn was nützt uns das umfangreichste genetische Fachwissen, wenn wir uns und unsere Zuchtfreunde am Ende durch die ein oder andere „Mogelei“ selber beschwindeln.

Frisch tätowierter Wurf Schwarzgrannen

Autor: Christoph Schumacher, Langerwehe.

Artikel aus der Ausgabe 16/2007 des Deutschen Kleintierzüchters (Kaninchenzeitung)

Quellennachweis:

Tex: Christoph Schumacher

Bilder und Fotografien:

Christoph Schumacher

Design by Wolfgang Jensen

Optimiert für Internet Explorer 9x und Firefox 9x, Copyright © 2001-2012 für den Widderclub U100 Schleswig-Holstein und die AG der Widderzüchter: PHP-Programmierung Lothar Schlegel, Datenbankverwaltung Frank Waffen, Seitenerstellung/Programmierung Wolfgang Jensen: http://www.kaninchenmarkt.de