Die Grundlagen der Genetik

Für den Jungzüchter

Kapitel 7

Die Selektion

Einführung

Der Begriff Selektion kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich Auswahl oder  Aussonderung. Oftmals wird hierfür auch die Definition „Zuchtwahl“ verwendet. Biologisch unterscheidet man grundsätzlich zwischen drei Arten der Selektion. Die natürliche Selektion, ist wie der Name schon sagt, eine Auslese die durch die natürlichen Umwelteinflüsse bewirkt wird, nach dem Motto „nur die Stärksten überleben“. Die zweite Art der Selektion, mit der wir uns im weiteren Verlauf des Artikels ausführlicher beschäftigen werden, ist die künstliche Selektion. Hierbei handelt es sich um eine vom Menschen gesteuerte Zuchtauswahl. Die sexuelle Selektion ist die dritte Art der Auslese, bei der die Partnerwahl durch sexuelle Reize gesteuert wird.

Säugende Häsin in Loh schwarz

(Zeichnung Kaninchenschädel) Zimmermann, (Fotos Zahnstellungen) Chr.Schumacher, (Schädelmodell) Wolfgang Jensen, AG Widder, (Foto Haarstrukturfehler) Chr. Schumacher.

Künstliche Selektion

Die künstliche Selektion ist die einzige Art der Auslese, die durch Menschenhand und nicht durch die Natur gesteuert wird. Dabei werden die verschiedenen Merkmale und Eigenschaften, die vererbt werden sollen, durch den Menschen ausgewählt. So kann durch eine strenge künstliche Selektion nach bestimmten Eigenschaften z. B. eine neue Rasse oder ein neuer Farbenschlag entstehen. Bei der natürlichen Selektion hingegen steht immer das Überlebens- und Fortpflanzungsmerkmal im Fordergrund. Bei der gezielten künstlichen Selektion spricht man von „Züchtung“, denjenigen der die Selektion steuert nennt man demnach „Züchter“. (siehe hierzu auch Kapitel 8)

Zu einer sinnvollen Entscheidungsgrundlage für die Selektion in der Tierzucht, gehört nicht nur die Berücksichtigung des jeweiligen äußeren Erscheinungsbildes (Phänotyp) und der Leistungsmerkmale, sondern vor allem auch der Erbwert. Diese Grundsätze gelten natürlich auch für die Rassekaninchenzucht. Das heißt mit anderen Worten, dass ein optisch sehr schönes und womöglich auch noch hoch bewertetes Kaninchen nicht zwingend auch eine gute Auswahl für die Zucht sein mag.

Den Maßstab für „gutes Aussehen“, also für ein schönes äußeres Erscheinungsbild, legt in unserer Rassekaninchenzucht der Rassestandard des ZDRK fest, an dessen Vorgaben man sich als Züchter von reinrassigen Kaninchen unbedingt orientieren sollte, wenn man auf Ausstellungen erfolgreich sein möchte. Im Standard werden die körperlichen Merkmale (Gewicht; Körperform, Typ und Bau; Fellhaar und die spezifischen Rassemerkmale) der jeweiligen Kaninchenrasse meist detailliert erklärt.

1.0 Loh schwarz 97,0 Pkt LV-Schau-Rheinland 2007

Ebenso wichtig für die Selektion, aber leider oftmals in der Rassekaninchenzucht stark vernachlässigt, sind die Leistungsmerkmale des Tieres. So hat jedes Kaninchen bestimmte, mehr oder weniger gute Nutzeigenschaften, aus denen sich der Nutzwert des Tieres ergibt. Zu den wichtigsten Leistungsmerkmalen zählen die Fruchtbarkeit (Fortpflanzungsfähigkeit und- bereitschaft, Mutterinstinkt, Milchleistung), die Futterverwertung, die Frohwüchsigkeit, die Vitalität und nicht zuletzt auch die Fleisch- und Fellqualität.  Daher sollten für die Zucht auch nur Tiere mit möglichst vielen guten Leistungseigenschaften eingesetzt werden, denn was nützt einem die schönste Häsin, wenn sie unfruchtbar ist.

Um den Erbwert eines Tieres richtig beurteilen zu können, bedarf es gewisser Grundkenntnisse in der Genetik. Da die Ausprägungen der jeweiligen Erbanlagen nicht immer sichtbar sind, ist die genetische Bewertung umso schwieriger (siehe hierzu bitte auch Kapitel 2). Den wirklichen Erbwert erkennt man erst an den Nachkommen oder oftmals auch erst an späteren Generationen. Hier gilt es daher durch kompromisslose Auslese insbesondere Erbkrankheiten und –fehler auszuschließen (siehe  hierzu Kapitel 6). Hierbei ist eine lückenlose Zuchtbuchführung für jeden gewissenhaften Züchter Pflicht. Dokumentation über Eigenschaften und Merkmale der Tiere über Generationen hinweg, helfen uns hierbei die genetischen Defekte aufzudecken und ggf. entsprechend zu selektieren. So kann man an einem lückenlosen Stammbaum Anomalien oftmals sehr viel leichter nachvollziehen und die „Verursacher“ aufspüren.

Abschließend sei aber noch zu sagen, dass man auch immer in Betracht ziehen muss, dass manchmal bestimmtes Erbgut, egal wie hochwertig es auch sein mag, einfach nicht zusammen passt.

0.1 Loh schwarz mit 6 Jungtieren im Alter von 4 Wochen

Autor: Christoph Schumacher, Langerwehe.

Artikel aus der Ausgabe 14/2007 des Deutschen Kleintierzüchters (Kaninchenzeitung)

Quellennachweis:

wwww.wikipedia.de Rassekaninchenzucht K. Dorn (Neumann Verlag), Kaninchen und Nagetiere Verhoef-Verhallen (Naumann und Göbel Verlag), Kaninchenvererbung Heidrun Eknigk (Oertel & Spörer Verlag); Das große Buch vom Kaninchen Wolfgang Schlolaut (DLG-Verlag), Kaninchenhaltung U.Reber (Oertel & Spörer Verlag).

Bilder und Fotografien:

(Christoph Schumacher (Archiv)

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