Ein Bericht von Horst Weigt.

H. Werther mit ZwW russenf-schwarz-weiß

Erbformel der Zwergwidder russenfarbig

russenfarbig schwarz-weiß

anBCDgK/anBCDgk

russenfarbig blau-weiß

anBCdgK/anBCdgk

Vorgeschichte

Als Adrian de Cock 1952 im niederländischen Tilburg mit der Herauszüchtung der Zwergwidder begann, konnte er ganz sich nicht ahnen, mit welch großem Interesse seine Rasse bei Liebhabern und Züchtern aufgenommen würde.

Die ersten Zwergwidder kamen bereits 1964 nach Deutschland, ihre Anerkennung erfolgte jedoch erst 1973. Von da an konnten die Zwergwidder einen derartigen Aufschwung verzeichnen, wie ihn wohl kaum eine andere Kaninchenrasse jemals zuvor erlebt hatte. Es waren ganz sicher nicht nur die geringeren Platz- und Futteransprüche, die den Zwergen den Weg ebneten, sondern auch ihr angenehmes Wesen. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine Vielzahl von Farbenschlägen herausgezüchtet wurde; eine bunte Palette, die jedem Geschmack etwas zu bieten hat.

Einen aparten Farbenschlag, der zu Unrecht etwas im Verborgenen blüht, sollen die folgenden Zeilen gewidmet sein, den russenfarbigen Zwergwiddern.

Aus beruflichen Gründen musste ich leider in den 90-er Jahren einige Jahre die Kaninchenzucht aufgeben. Nach der Rückkehr in die Heimat suchte ich eine neue Rasse. Widderkaninchen sollten es wieder sein. Da ich bisher immer Zeichnungsrassen hatte, (Englische Schecken und Kleinwidder grau-weiß) suchte ich eine kontrastreiche Zeichnungsrasse und entschied mich für die Zwergwidder russenfarbig schwarz-weiß, wohl wissend, dass die Kombination der typischen Widdermerkmale im Rassetyp und der russenfarbigen Zeichnungsmerkmale eine echte Herausforderung darstellen. Wenn auch in den letzten Jahren sich die Qualität der immer noch selten zu sehenden Zwergwidder russenfarbig schwarz-weiß wesentlich verbessert und stabilisiert hat, werden bei diesem Farbenschlag immer noch Eigenschaften der Ausgangsrassen versteckt mitgeführt und mitunter sichtbar. Ich nenne hier nur die noch vielfach auftretenden spitzen Köpfe und die zu großen zackigen Masken. Leider scheinen die schon mal zu sehenden Tiere in blau-weiß wieder von der Bildfläche verschwunden zu sein.

Rasseentstehung

Als Herauszüchter der russenfarbigen Zwergwidder sind Werner Neff aus Oettigheim in Baden-Württemberg und Christoph  Joerges  aus  Lüdinghausen in Nordrhein -Westfalen. Als Ausgangstiere  sollen ihnen  siamfarbige  Zwergwidder gedient haben, die sie von dem Züchter Nüssle aus Herrenberg erhalten hatten. Nach intensiver Zuchtarbeit in den Jahren 1985 und 1986 brachte Zuchtfreund Neff die Rasse zur Anerkennung und wurde bereits 1987 mit der Rasse Bundesmeister. Helmut Werther aus Weimar-Wenkbach in Hessen, der an der weiteren Entwicklung der Rasse maßgeblich beteiligt war und, das sei an dieser Stelle erwähnt, dem Schreiber dieser Zeilen auch freundlicherweise wichtige Informationen zur Verfügung stellte, schildert den Zuchtaufbau als äußerst mühevoll:>> Als ich im Jahr 1987 mit dieser Rasse zu züchten beginnen wollte, war es schwer oder nicht möglich, von den erwähnten Züchtern Zuchttiere zu erwerben, so dass mein Start auf sehr wackeligen Füßen stand.<< Nachdem sich Werther  dann  im  Benachbarten  Ausland  (Holland  und  Frankreich)  ebenfalls ohne  Erfolg  auf die  Suche  nach Tieren dieser  Rasse  gemacht hatte, wurde er schließlich doch noch in Deutschland fündig:>> Ich konnte dann von Christoph Joerges, Lüdinghausen (bekannt durch einige Neuzüchtungen), und Brigitte Miraschewski, Braunschweig, brauchbare Zuchttiere bekommen, die für einen ordentlichen Anfang geeignet schienen. Für diese Unterstützung bin ich noch heute äußerst dankbar. Um eine bessere Zusammenarbeit zu gewährleisten und der jungen Rasse den Weg zu ebnen, wurde von Zuchtfreund Helmut Werther 1991 die Interessengemeinschaft der Züchter russenfarbige Zwergwidder gegründet und über zehn Jahre von ihm betreut. Es ist gelungen in den Jahren in ganz Deutschland ein Züchternetz aufzubauen.

Verpaarung

Siamfarbige Zwergwidder und Russenkaninchen schwarz-weiß ?

siamfarbig gelb ambCDg/anbCDg
Russenkaninchen schwarz-weiß anBCDgK/anBCDgk

Genetik

Die russenfarbigen Zwergwidder sind Teilalbinos mit weißer Grundfarbe und in unserem Fall mit schwarzen Abzeichen. Die Augen sind farblos, jedoch rot durchleuchtend. Das Russenkaninchen steht an vorletzter stelle der A-Reihe mit dem aa und hat somit folgende Erbformel für die Fellfarbe: schwarz-weiß anBCDg/anBCDg. Das es damit in der A-Serie zwischen den braunmarderfarbigen und den Zwergwiddern weiß Rotaugen steht, ist beim Einsatz solcher Tiere für die Verbesserung der Russenfarbigen, besonders in den Rassemerkmalen, zu beachten. Dies sind somit auch keine Kreuzungen, die einer gesonderten Genehmigung bedürfen. 

Die Besonderheit der dem Russenkaninchen eigenen Zeichnung liegt in der genetischen Information dieses Teilalbinos, neben einem rein weißen Haarkleid durch Kältereiz diese Spitzenfärbung an den betreffenden Körperteilen zu erreichen. Erst bei der Einwirkung des Umwelteinflusses "Kälte" reagieren die kurz behaarten Körperteile mit dieser Färbung. Die Temperaturempfindlichkeit ist erheblich. Es sollten daher Alttiere, die noch eine intensive Färbung zeigen, lange in der Zucht belassen werden. Damit im Zusammenhang steht auch der mausgraue Nesthaaranflug bei Nestjungen, die später bessere Farben hervor bringen als die anderen Rasseverwandten.

Fachmännische Betrachtung

Das Problem der Zuchttierbeschaffung lässt den Schluss zu, dass die Anerkennung der Rasse zu früh erfolgte, da sich ihr bis dahin zu wenig Züchter angenommen hatten. Zu hohes Gewicht, insbesondere bei den Häsinnen (bis 3 Kg!), schlecht getragene behänge und vieles mehr bedingten niedrige Bewertungen oder gar den Ausschluss und ließen den einen oder anderen Züchter in den Anfangsjahren wieder abspringen. Viele engagierte Züchter haben dazu beigetragen, dass wir mit der Zucht stark nach vorne gekommen sind. Bewertungen von 96 bis 97 Punkte  und  für Zuchtgruppen  von  über 380 Punkten  werden von den Züchtern auf den unterschiedlichsten Ausstellungen heute schon erzielt. Ein wesentlicher Faktor des Erfolges waren die Sonderschauen der IG.

Das Zuchtziel der russenfarbigen Zwergwidder unterscheidet sich bis auf die Zeichnungsmerkmale nicht von den anderen Farbenschlägen. Da liegt aber schon ein Problem, indem bei den Zeichnungstieren nicht nur mit einem Auge, sondern vielfach auch mit dem zweiten zu sehr auf die Zeichnung geschaut wird. Dabei ist es schwierig, die Zeichnung und die Farbe in einer Position, in der nur 10 Punkte vergeben werden können, gerecht wiederzugeben. Während man hier 1 bis 2 Punkte verlieren kann, sind es in der Summe der Positionen 1 bis 5 wesentlich mehr. Bei aller Liebe für die Zeichnung, gilt es daher die richtigen Prioritäten bei der Zucht zu setzen.

Beim Gegenwärtigen Zuchtstand der russenfarbigen Zwergwidder kann man die Köpfe als durchaus ansprechend bezeichnen. Besonders die Rammler zeigen den typisch ausgeprägten Widderkopf mit schöner Ramsnase, gut entwickelter Schnauzenpartie, kräftigen Kinnbacken und breiter Stirn. Die Häsinnen sind in allen Kopfmerkmalen etwas feiner, jedoch sollte auch bei ihnen die dem Widder eigene Kopfform nicht fehlen.

Die Züchter wissen längst, dass die Russenstämme verschieden stark auf ein und dieselbe Temperaturänderung reagieren können. Stämme die sich leichter Kälte- schwärzen lassen haben die intensiverer Lauffarbe, aber leider auch die größeren Masken und oft auch den nicht erwünschten Anflug an den Augen, die so genannten Brillen. Von der Wissenschaft erfolgte eine Stufeneinteilung für die Russenfärbung, die von der besonders starken Färbung zum hellsten Marderkaninchen und der schwächsten zum Fastalbino tendierend reicht. schwach gezeichnete Tiere haben somit auch die kleinsten Masken. Die Kunst des Züchtens ist nun den goldenen Mittelweg zu finden. Kurz könnte man folgendes zusammenfassen: Die Wurftermine auf die geplanten Ausstellungen abstimmen, denn ältere Tiere zeigen sich nicht mehr in der besten Farbe und auch Konstitution. Bei dem derzeitigen Zuchtstand sollten die Tiere über dunkle Laufsohlen und Krallen verfügen und über die Sprunggelenke gefärbt sein. Passerpaarungen hinsichtlich Maskengröße und Farbintensität herausfinden und lange in der Zucht behalten. Vorgesehene Ausstellungstiere in kühlen Außenställen auf die Ausstellung vorbereiten.

Für Züchter, die in der Interessengemeinschaft russenfarbiger Zwergwidder mitarbeiten möchten nenne ich folgende Ansprechpartner: Jürgen Zierd,36460 Kieselbach, Krayenburgstr. 19 tel.: 036963/60097 und Horst Weigt, 98708 Gehren, Talstr. 12 Tel.: 036783/87305

Rassebeschreibung

In den  Rassemerkmalen der Kopf- und Rumpfzeichnung liegt der Reiz alle russen- farbigen Kaninchen. Die Kopfzeichnung besteht aus der Maske und  den farbigen Ohren. Die Maske hat eine längliche, möglichst  ovale Form  und  erstreckt sich gleichmäßig, scharf abgegrenzt über den Nasenbereich und verläuft seitlich bis zum Oberkiefer. Den Unterkiefer erfasst sie nur andeutungsweise. Sie soll nicht über die Augenhöhe reichen und keine Zacken oder auslaufenden dunklen Anflug haben. Die fleischigen farbigen Behänge werden mit scharfer Abgrenzung am Ohrenansatz gefordert. Die Rumpfzeichnung erstreckt sich auf die farbigen Vorder- und Hinterläufe sowie die Blume. Das vorderste Glied der Vorderläufe soll möglichst dunkel und scharf gegen die weiße Grundfarbe des Oberarms abgegrenzt sein. Die Hinterläufe sind bis über das  Sprunggelenk ebenfalls  möglichst dunkel gefärbt. Die Krallenfarbe ist wie bei allen Teilalbinos pigmentiert, je dunkler desto besser. Die Blume ist sowohl auf der Ober- wie Unterseite dunkel. Soweit in kurzer Form die Forderungen des Standards.

 Siehe ZDRK - Standard von 2004 und Europa - Standard 2012

Auszug aus "Der Kleintier - Züchter" Nr. 14/1999 Bericht von Gerhard Carls und direkter Bericht von Horst Weigt. Das Bildmaterial stellte uns freundlicherweise Horst Weigt, das RKZ-Forum und die AG der Widderzüchter zur Verfügung.

Wir danken Horst Weigt, dem RKZ-Forum  und Wolfgang Jensen für ihre Mitarbeit.

Das Copyright für diesen Bericht liegt bei den Züchtern Gerhard Carls, Horst Weigt bzw. der Arbeitgemeinschaft der Widderzüchter.

Literaturnachweis: Walter Hornung >Zwergwidder< Verlag Oertel und Spörer, Heidrun Eknigk >Kaninchenvererbung< Verlag Oertel und Spörer, Dr. Gerhard Hochstrasser >Gedanken über die verschiedenen Stärken der allelen Gene der Russenkaninchen in der A-Reihe< Blaues Jahrbuch 2004 Verlag Oertel und Spörer, Gerhard Carls >Russenfarbige Widderzwerge< DKZ 14/1999

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